Die Geschichte der Atombombe

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Die Atombombe ist ständiges Instrument der Politik, um Druck auszuüben und zu drohen. Länder wie die USA, China und Russland geben jährlich Summen in Milliardenhöhe aus. Doch wie kam es überhaupt zu so einer gewaltigen Bombe und wie wirkte sich dies auf die Welt aus?

Um die Atombombe bauen zu können, mussten Grundlagen geschaffen werden. Die Anfänge gehen bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg zurück.

Entdeckung der Kernspaltung

Im Jahr 1938 entdeckten die beiden deutschen Wissenschaftler Otto Hahn und Fritz Straßmann die Kernspaltung, indem sie einen Urankern mit Neutronen bestrahlten. Daraus resultierte die Entstehung von Bariumisotopen, die so nicht in der Natur vorkommen. Es entstehen Kettenreaktionen, bei denen enorme Energien freigesetzt werden.

Diese Entdeckung bot viele neue Möglichkeiten - sowohl im zivilen Nutzen für die Gewinnung von Energie in Kernkraftwerken oder in der Medizin - aber auch für eine Waffe, die alles in ihrem Umkreis zerstören kann.

Sorge vor NS-Deutschland

Vor letzterem gab es in u.a. in den USA große Befürchtungen, dass Deutschland, welches in den Händen des nationalsozialischten Regimes unter Adolf Hitler war, versuchte, so eine Bombe zu bauen. Letzendlich war es Leó Szilárd, der Albert Einstein davon überzeugte, einen Brief an den damaligen US-Präsidenten George Roosevelt zu übermitteln. In ihm stand unter anderem:

(übersetzt aus dem Englischen)

Die Warnung, Deutschland könnte sich mit dem Bau einer Atombombe befassen, wurde so formuliert:

(übersetzt aus dem Englischen)

Vereinfacht gesagt hat Deutschland den Export von Uran eingestellt, um ihn möglicherweise für eigene Zwecke zu nutzen. Diese Warnung und Geheimdienstberichte veranlassten den Präsidenten Roosevelt dazu, ein eigenes Atomprojekt zu starten.

Das Manhattan-Projekt

Das größte und teuerste Projekt der Menschheitsgeschichte wurde ab 1942 gestartet. Die USA pumpten gigantische Summen in Höhe von 1,9 Milliarden Dollar in das Projekt, 150.000 Mitarbeiter waren unter der Leitung Robert Oppenheimers in dieses Projekt involviert. Bis 1945 gelang es, in höchster Geheimhaltung zwei Atombomben herzustellen: Little Boy (aus Uran) und Fat Man (aus Plutonium). Zu dieser Zeit war der Krieg in Europa schon beendet, die Alliierten siegten über Deutschland und seine Verbündete. Doch in Asien wollte ein Land nicht aufgeben: Das Japanische Kaiserreich.

Der erste und letzte Abwurf zweier Atombomben

Um Japan zur Kapitulation zu zwingen, wählte die USA zwei Ziele aus: Zum einen das bis dahin eher verschonte Hiroshima, das allerdings ein wichtiger Militärstützpunkt ist. Zum anderen wurde Koruka als Ziel anvisiert, das für die Rüstungsindustrie wichtig war. Wegen schlechter Sicht wurde letzteres Ziel auf Nagasaki verschoben.

Am 6. August 1945, nachdem Japan ein Ultimatum und eine Warnung der USA ablehnte, wurde die erste Atombombe "Little Boy" über Hiroshima abgeworfen. Als Japan auch danach nicht kapitulierte, wurde die zweite abgeworfen.

Die Folgen sind verheerend. Allein beim Hiroshima-Abwurf starben ca. 160.000 Menschen. Eine Diskussion darüber, ob der Abwurf gerechtfertigt war, findest du hier. Die moralische Frage dazu beschäftigt die Menschheit bis heute. Nagasaki forderte ca. 70.000 Todesopfer.

Bild: michaelheinbockel.de

Aufrüstung im Kalten Krieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg verschlechterte sich das Verhältnis zwischen den beiden Supermächten USA und Sowjetunion. Das Misstrauen wuchs und nachdem die Sowjetunion erfolgreich ihr eigenes Atomprojekt umsetzte, haben sich die beiden Mächte duelliert. Atombomben als Abschreckung - je mehr, desto besser. Im Jahr 1986 hatten beide zusammengerechnet ca. 64.000 Atomwaffen.

Diese Zeit war geprägt von Unsicherheit, Spannungen und Misstrauen. Bis zum Ende des Kalten Kriegs 1990 kämpften die beiden Mächte nicht direkt miteinander - aber wenn sie es getan hätten, gäbe es die Welt wahrscheinlich nicht mehr, oder jedenfalls nicht so, wie wir sie kennen. Die beiden Mächte kämpften jedoch in einigen Stellvertreterkriegen gegeneinander, so zum Beispiel in Korea (1950-1953), Vietnam (1955-1975) und Afghanistan (1979-1989).

Während des Kalten Krieges kamen mit dem Vereinigten Königreich (1952), Frankreich (1960), China (1964) und Indien (1974) vier neue Atommächte hinzu.

Bemühungen zur Abrüstung

Während und nach dem Kalten Krieg gab es international Bemühungen, um die Staaten zur Abrüstung zu bewegen. Der dabei wichtigste Vertrag ist der Atomwaffensperrvertrag, der im Jahr 1968 entstanden ist. Nicht-Atomwaffenstaaten verpflichten sich, keine Atomwaffen zu erwerben. Im Gegensatz verpflichten sich die 5 Atommächte dazu, ihre Atomwaffen zu reduzieren und vollständig atomar abzurüsten. 191 Länder nehmen am Vertrag Teil - 93 davon haben ihn ratifiziert. Nordkorea trat im Januar 2003 aus, vier Staaten (Indien, Israel, Pakistan und Südsudan) wurden nie Teil des Vertrags.

Infolge dessen kam es international zur Abrüstung.

Aktuelle Situation

Indien und Pakistan streiten sich um die Grenzziehungen in der Kashmir-Region. Deshalb haben sich beide Staaten zur Abschreckung nuklear aufgerüstet.

Nordkorea trat, wie eben schon erwähnt, aus dem Atomwaffensperrvertrag aus und hat sich ebenfalls mit Atomwaffen ausgestattet. Einige Tests sollen ihre Stärke demonstrieren und sie sind auch Teil der Propaganda gegen die USA.

Auch der Iran unterhält ein Atomprogramm. Der US-Außenminister Anthony Blinken verkündete im Juli 2024, dass das Land kurz davor sei, Atomwaffen herzustellen.

Aktuell sind weltweit etwa 12.121 Atomwaffen vorhanden. Sie verteilen sich auf neun Staaten.

Im Vergleich zu den Zeiten des Kalten Krieges, in denen es über 70.000 Atomwaffen gab, hat sich die Situation verbessert. Und dennoch spüren die Menschen eine ständige Angst vor einem Atomkrieg. Sie ist auch nicht unberechtigt - laut einer Studie würden 100 Atombomben reichen, um die Erde nachhaltig zu zerstören. Selbst wenn sie nur auf ein Land abgeworfen werden würden, hätte dies globale Folgen. Ein nuklearer Herbst würde für eine Rauchwolke sorgen, die in die Atmosphäre gelangt und das Sonnenlicht verdunkelt. Temperaturen würden sinken und Niederschläge seltener werden. Dies würde für Nahrungsmittelknappheit und Hungersnöte sorgen.

Im laufenden Ukraine-Krieg spielte der mögliche Einsatz von Atomwaffen eine entscheidende Rolle, ob die NATO in der Ukraine intervenieren sollte. Bis jetzt blieb es bei materieller Hilfe - die Angst, dass Putin seine Atomwaffen nutzen würde, ist zu groß.

Zusammenfassung

Die Entdeckung der Kernspaltung im Jahr 1938 markierte einen Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit. Die daraus entwickelte Atombombe wurde im Zweiten Weltkrieg eingesetzt und forderte in Hiroshima und Nagasaki Hunderttausende Todesopfer. Der Kalte Krieg trieb die Entwicklung von Atomwaffen weiter voran, da die USA und die Sowjetunion um die globale Macht kämpften. Bis heute besitzen mehrere Staaten Atomwaffen, was eine ständige Bedrohung für den Weltfrieden darstellt.

Die langfristigen Auswirkungen der Atombombe sind verheerend. Neben den unmittelbaren Todesopfern führt der Einsatz von Atomwaffen zu schweren gesundheitlichen Schäden und einer langfristigen Belastung der Umwelt. Die Angst vor einem Atomkrieg prägt die internationale Politik bis heute.

Obwohl es in den vergangenen Jahrzehnten Bemühungen zur Abrüstung gab, sind noch immer Tausende von Atomwaffen weltweit vorhanden. Die ethische Frage nach dem Einsatz solcher Massenvernichtungswaffen bleibt ungelöst. Die Menschheit steht vor der Herausforderung, die Gefahren von Atomwaffen zu minimieren und eine Zukunft ohne Atomwaffen zu gestalten.

Quellen

Passend zum Thema

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Das passiert, wenn ein Atomkrieg ausbricht | MrWissen2go

Siehe auch

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1 Kommentare
+2
Level 24
27. Nov 2024
Sehr ausführlich!