Die Instabilität Afrikas

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Afrika ist der instabilste Kontinent, den es gibt. Von Krankheiten, Hungersnöten und Kriegen werden die Menschen sehr häufig geplagt. Wieso ist das in Afrika so?

Afrika gilt als der instabilste Kontinent, auch wenn die Entwicklung regional sehr unterschiedlich verläuft. Dies zeigt der Human Development Index (HDI), der Lage der Menschen in unterschiedlichen Ländern vergleicht. In den 4 Kategorien (sehr gut, gut, schlecht, sehr schlecht) ist mit Mauritius nur ein einziges Land in der besten Kategorie vertreten.

Afrikas Entwicklung im Vergleich zu den anderen Kontinenten

Dies zeigt, wie sehr Afrika zurückhängt. Doch wieso ist das so?

Wieso ist Afrika so niedrig entwickelt?

Es gibt unterschiedliche Gründe für das Leiden der Menschen in Afrika. Vier Ursachen sind entscheidend:


1. Sehr starkes Bevölkerungswachstum

Die Bevölkerung in Afrika wächst permanent, Frauen bekommen im Durchschnitt 4,3 Kinder. Zum Vergleich: In Europa bekommt eine Frau durchschnittlich 1,5 Kinder.

Die Bevölkerung Afrikas und Europas im Vergleich:

Während Afrikas Bevölkerung weiter wächst, hält sich die europäische Kurve auf ihrem aktuellen Niveau - das schon seit mehreren Jahrzehnten.

Ein starkes Bevölkerungswachstum ist historisch betrachtet eine typische Phase wirtschaftlicher Entwicklung, die auch Europa und Asien durchlaufen haben.

Dieses große Bevölkerungswachstum ist jedoch einer der Hauptgründe - und ein Auslöser für weitere Probleme.


2. Knappe Ressourcen

Afrika hat, auch ohne dem großen Bevölkerungswachstum, sehr knappe Ressourcen. Dies liegt an mehreren Problemen:

• Kriege

• Dürren

• Korruption

• Mangel an Geld

Wenn jetzt noch das große Bevölkerungswachstum dazu kommt, müssen die ohnehin schon knappen Ressourcen unter noch mehr Menschen aufgeteilt werden.


3. Krankheiten

Krankheiten wie Aids, Malaria oder Ebola verbreiten sich in Afrika sehr schnell. Dies liegt an fehlender Aufklärung und einem mangelnden Gesundheitssystem. Ist eine Krankheit ausgebrochen, haben die Leute oft nicht das Geld, sich behandeln zu lassen, oder es fehlt an medizinischen Einrichtungen.


4. Fehlende Bildung

Die Zahl ist erschreckend: Nur 64% der Kinder schließen die Schule südlich der Sahara in Afrika ab. Generell ist der Bildungsstand in Afrika am schlimmsten von allen Kontinenten. Bildung ist eine entscheidene Grundlage für ein Verwaltungssystem. Ohne sie fallen z.B. Wirtschaft niedriger aus, da es weniger qualifizierte Arbeitskräfte gibt. Daher herrscht mehr Armut im Land. Zudem gibt es weniger Ärzte, da es ohne Bildung keine Leute gibt, die diesen Beruf ausführen können. Grund für die fehlende Bildung ist meistens noch nicht mal, die Bevölkerung auf niedrigem Niveau zu halten, um Aufstände zu vermeiden, wie das in Nordkorea der Fall ist. Eher ist fehlende Infrastruktur und fehlendes Geld der Grund dafür.

In Afrika können rund 35% nicht lesen und schreiben, wie die folgende Grafik zeigt.

Politischer Zerfall

Die innere Sicherheit ist in vielen Ländern Afrikas bedroht. Aufstände krempeln Demokratien in Diktaturen um. Auch der Einfluss Russlands ist in vielen Ländern stark, die Söldner-Gruppe Wagner griff dort immer wieder ein (aktuell im Ukraine-Krieg involviert).

Die Zerbrechlichkeit der Staaten in Afrika zeigt diese Karte vom „Fragile States Index“.

Alarm: Afrikas Staaten drohen zu zerbrechen

Doch woher kommt dieser drohende Zerfall? Zum einen ist es die Unzufriedenheit und Hoffnungslosigkeit des Volkes. Zum Teil wird der Demokratie die Schuld dafür gegeben - Westliche Großmächte wie die USA oder das Vereinigte Königreich konnten auch keine Stabilität mit Hilfen oder „Operationen“ reinbringen. Zum anderen sind es aber auch die Machtspiele zwischen Militär, Regierung und Co. Außerdem gibt es durch die stetig wachsende Bevölkerung und die knappen Ressourcen Verteilungskämpfe. Dies bringt Unruhen rein, außerdem eine gute Propagandavorlage für Aufständische und Putscher, die sagen, „unter uns wird alles besser als jetzt“. Zudem gibt es mehr Rekrutierungen von Terroristen und Milizen aufgrund der schrumpfenden Perspektive der jungen Leute.

Ein weiterer Grund sind die ethnischen und religiösen Unterschiede zwischen (rivalisierenden) Völkern, die auf einem Territorium leben müssen. Dies entstand durch die koloniale Vergangenheit Afrikas. Europäische Mächte zogen Grenzen ohne Rücksicht auf ethnische, kulturelle oder religiöse Strukturen. Diese künstlichen Staaten bilden bis heute die Grundlage vieler Konflikte.

Neokolonialismus: Einfluss der Großmächte

Auch wenn die Kolonialzeit vorbei ist, versuchen Großmächte wie die USA, EU und Russland, Einfluss auf Afrika zu nehmen. Eben der Spielball, der vorhin erwähnt wurde. Die Interessen:

Die Interessen der Großmächte

Russland übt Einfluss aus, in dem es mit der Söldner Gruppe „Wagner“ Truppen ausbildet und damit wirtschaftliche Einnahmen kassiert. Sie sind aktuell in 12 Ländern aktiv. Sie versuchen nicht, die Lage zu stabilisieren, sondern das Chaos zu befeuern, welches es in vielen Ländern Afrikas gibt. So können sie Waffen verkaufen und jedes Jahr Einnahmen in Millionenhöhe bekommen. In mehr Ländern hat Russland über wirtschaftliche, politische und militärische Beziehungen Einfluss.

Einfluss Russlands in Afrika

Viele Länder nutzt Russland für Desinformationskampagnen und Propaganda gegen den Westen. Das größte Ziel: Den Westen einschüchtern und zurückdrängen. Es wird davon geredet, dass sich manche Staaten wieder so abhängig von Frankreich gemacht haben, dass sie in einer Kolonie leben. Genau deswegen gibt es wieder viele Aufstände gegen Demokratien in Afrika, besonders Westafrika: Weil die Abhängigkeit vom Westen zu hoch sei.

Auch westliche Staaten verfolgen in Afrika primär eigene Interessen, etwa in der Rohstoffsicherung oder Migrationsabwehr. Dabei ist für die EU wirtschaftliche Zusammenarbeit ein wichtiges Thema. Mit verschiedenen Wirtschaftsorganisationen arbeitet die EU eng zusammen, denn in Afrika gibt es wichtige Rohstoffe: Uran, was Frankreich für ihr Atomprogramm braucht und den damit erzeugten Strom auch in andere Länder Europas exportiert, Lithium, welches besonders bei der Herstellung von Batterien von Elektroautos benötigt wird, oder auch Kobalt, welches z.B. für wiederaufladbare Batterien verwendet wird. Auch Gold und Silber sind vorzufinden.

Afrika ist also ein wichtiger Kontinent, was Rohstoffe betrifft. Deswegen ringen so viele Länder um den größten Einfluss, auch Länder wie die USA. Denn wer sich mehr Rohstoffe sichert, kriegt mehr Macht. Wenn Russland sich z.B. das Uran in Niger sichert, welches 1/3 vom Import Frankreichs ausmacht, muss Frankreich Uran künftig aus anderen Quellen beziehen, die teurer sind, vielleicht sogar direkt aus Russland, wenn kein Weg mehr vorbei führt.


Darüber hinaus wirkt der Neokolonialismus in Afrika fort: Afrikanische Volkswirtschaften sind häufig auf den Export weniger Rohstoffe ausgerichtet, Wertschöpfung findet meist außerhalb Afrikas statt. Außerdem erschweren ungleiche Handelsbeziehungen und Schuldenabhängigkeiten eine eigenständige Entwicklung.

Beispiele wie der Kongo zeigen, dass heutige Konflikte eng mit globaler Rohstoffnachfrage (Kobalt, Coltan, Gold) verknüpft sind. Auch der Völkermord in Ruanda lässt sich ohne koloniale Einflussnahme (Deutschland, Belgien) nicht vollständig erklären.

Aussichten auf Besserung

Auch wenn es sehr viele Herausforderungen in Afrika gibt, gibt es auch viele Potenziale. Wenn man die Korruption in den Ländern bekämpfen würde, müssten viele Leute nicht mehr unter Geldmangel leiden. Mehr Förderprogramme gab es in letzter Zeit von der EU und Hilfsorganisationen, um die Bildung in Afrika zu fördern. Das Bundesinstitut für Wirtschaft und Energie sagt zum Beispiel zur Initiative Deutschlands für Afrika:

„Unsere Initiative Pro! Afrika orientiert sich an den Afrikapolitischen Leitlinien der Bundesregierung, welche die Grundlagen für Stabilität und Entwicklung stärken und dabei insbesondere gute Regierungsführung, Rechtsstaat- lichkeit, Bekämpfung der Korruption und Bildungschancen fördern will.“

Auch mehr Aufklärung kann zu einem geringeren Anstieg der Bevölkerung beitragen. Dann können die knappen Ressourcen besser verteilt werden.

Die Wirtschaft in Afrika wächst, zwar noch nicht schnell genug, als dass es die Bevölkerung für nötig und hätte, doch verbessert sich die Wirtschaft kontinuierlich.

Afrika ist reich an Bodenschätzen. Der Kontinent birgt die größten Reserven an Kobalt, Diamanten, Platin und Uran der Welt. Schaffen die Regierungen, dies zum Wohle der Bevölkerung zu nutzen, wäre dies ein enormer Fortschritt.

Mit einer guten Entwicklung und Hilfe aus dem Ausland könnten die Länder Afrikas irgendwann das Leiden beseitigen und zu stabilen Staaten heranwachsen.

Ein Kommentar von einem JetPunk-User:

Erkenntnisse zeigen, dass sich die Wirtschaft mit der Entwicklung der Bevölkerung aus der Landwirtschaft und dem Bergbau heraus und in die Fertigung und den Bau hineinbewegt, und dann in Dienstleistungen wie Banken und Verkauf. Dies führt zu dem raschen Wirtschaftswachstum, das in China und Asien zu beobachten ist, wenn es richtig verwaltet wird. […] Management ist alles.
- Neodymium
11 Kommentare
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Level 44
4. Feb 2026
Update Log

04.02.2026: Nachschärfungen und Ergänzungen im Abschnitt "Neokolonialismus"

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Level 17
11. Nov 2023
Thankfully the situation is getting better nearly everywhere!
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Level 44
20. Dez 2023
Yes, right.
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Level 17
27. Mär 2024
the situation is actually a lot better then it seems. that number is 35% for illiteracy but most westerners would think 90%. Infact, the population growth is:

- overestimated

- natural, europe experienced this growth in the 1800s, south america and asia did this in the late 1900s. When birth rates drops (and the key for this is education) and death rates drop earlier then them with better healthcare, there is a population boom. Education of women helps decrease this natural boom in population, because educated, urban women require and want less children.

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Level 17
27. Mär 2024
further lore, as the population deveelops, the economy grows and moves out of agriculture and mining into manufacturing and construction, and them moves into services like banking and sales. This causes the rapid economic growth that has been seen in China and asia, if managed correctly. Indeed, I recommend you see a chart of botswana’s gdp and zimbabwe’s gdp. Management is everything
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Level 44
31. Mär 2024
Thanks for the comments. I will have a closer look on that in the next days and probably will edit it.
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Level 58
28. Dez 2025
Dieser Blog lässt den wichtigsten Faktor vollkommen aus. Neokolonialismus. Und die Folgen von Kolonialismus. Außerdem finde ich es eine Frechheit so zu tun, als wäre es ihre eigene Schuld, dass afrikanische Staaten instabil sind, als könnten sie einfach auf andere Industrien umsteigen. Afrikanische Staaten haben großteils schlichtweg kein Kapital, kein Wunder wenn ihre menschlichen und natürlichen Ressourcen über Jahrhunderte ausgebeutet wurden. Und Kapital braucht man um aus Landwirtschaft hinein in Blue-Collar oder sogar White-Collar Industrie zu finden. Wenn man das Kapital nicht hat, braucht man Investitionen, weil Afrika aber instabil ist, will dort niemand investieren. Währenddessen beutet der Westen Afrika weiter aus, verschärft die Lage für die Menschen und die Natur in Afrika, und gründet dann Ausgeburten der Hölle wie FRONTEX oder zahlt Söldnern und dem Tunesischen Militär Geld um illegale Pushbacks durchzuführen, um die Konsequenzen selbst nicht zu spüren.
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Level 44
28. Dez 2025
Natürlich höre ich auf dich. Ich höre immer auf das Feedback und die Kommentare der User, um meine Inhalte zu verbessern.

Ich habe an keiner Stelle behauptet, es sei die „eigene schuld“ der afrikanischen Staaten, dass Instabilität ein Problem ist oder dass sie problemlos auf andere Industrien umsteigen könnten. Mein Blog beschreibt Ursachen und Wechselwirkungen, keine Schuldzuweisungen.

Im Blog wurde ebenfalls erwähnt, dass Afrika ein Spielball der Großmächte ist (= Afrika ist nicht der Schuldige). Dennoch: Aspekte wie der Neokolonialismus könnten im Blog besser hervorgehoben werden. Ich werde den Blog dahingehend in den nächsten Wochen prüfen und überarbeiten.

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Level 58
28. Dez 2025
Aber höre nicht auf mich, eine weiße Person, ließ Werke der postcolonial Studies.
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Level 44
28. Dez 2025
Natürlich höre ich auf dich. Ich höre immer auf das Feedback und die Kommentare der User, um meine Inhalte zu verbessern - sie sind ein großer Grund, wieso ich die Blogs überhaupt schreibe.
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Level 58
28. Dez 2025
Ich möchte noch ein Beispiel geben. Erstens: Der Ruanda Genozid ist zu einem signifikanten Teil die Schuld von Deutschland und Belgien, wegen ihrer Einflussnahme und Verhärtung der Fronten zwischen Hutus und Tutsis durch Rasse-Ausweise, Beihilfe zur Unterdrückung von Hutus, etc.

Zweitens: Neben dem Kampf um die Kontrolle über die Cobalt-, Coltan-, Gold-, Kupfer- und Zinn-Minen in der DRK (um den Hunger der Industriestaaten nach Ressourcen zu stillen), ist die zweite Ursache für den ersten Kongokrieg der Ruanda Genozid gewesen. Der erste ging über in den zweiten und der in den dritten, und der ist heute noch im Gange.

Zusammenfassend kann man also sagen, Europa, Nordamerika und Ostasien fördern im Kongo Konflikte um billig an Ressourcen zu kommen, für die Kongoles_innen zu sehr damit beschäftigt sind nicht zu sterben, um sie zu verteidigen, oder um einen fairen Preis am Weltmarkt zu verkaufen.