Projekt Genesis - Teil 1
Publiziert am 2. November 2024
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Teil 1 - Geostorm
John blickt über die kahle, graue Landschaft, die seit der großen Katastrophe nie mehr strahlend grün wurde. Was einst ein lebendiger Ort voller Leben war, ist nun eine endlose, trostlose Wüste, in der selbst der Wind nur zu flüstern scheint, als würde er an die längst vergangene Zeit erinnern. Passiert ist dies durch eine Naturkatastrophe vor 120 Jahren – zumindest, wenn man den Politikern und Wissenschaftlern glauben möchte. Eine Katastrophe, die nur alle vier Millionen Jahre auftritt, bei der alle Naturgewalten zu einem einzigen, vernichtenden Geostorm verschmelzen. So lautet die offizielle Version der Regierung.
Aber diejenigen, die wagten, eine andere Wahrheit zu suchen, wurden zum Schweigen gebracht – brutal, unerbittlich, endgültig. Jeder, der versuchte, Fragen zu stellen oder andere Theorien ins Spiel zu bringen, wurde in eine „Erziehungsanstalt“ verschleppt, eine schreckliche Einrichtung, aus der niemand je zurückkehrte.
John ist sich dessen schmerzlich bewusst, denn er hat seinen Vater verloren, als er noch 14 Jahre alt war. Er arbeitete stets im Geheimen und hatte ihm nie von seiner Tätigkeit erzählt. Doch er verschwieg etwas Großes – das konnte John damals deutlich spüren. Letztendlich wurde sein Vater wie viele andere in die Erziehungsanstalt gebracht und tauchte bis heute, nach 18 Jahren, nie wieder auf.
Die Regierung sagt, die Situation wäre nun im Griff - aber noch immer sterben Menschen auf mysteriöse Weise und die menschliche Population steht kurz vor dem Ende. Wie viele durch den Geostorm starben, ist unbekannt. Doch viele Menschen sind nicht mehr übrig - auf der Welt kann man nur noch von einigen Tausenden reden, die in kleinen noch bewohnbaren Regionen leben können. Leicht ist das Leben hier aber nicht. Wer überleben will, muss von Anfang an hart arbeiten. Wasser ist nur sehr begrenzt zugänglich, meistens ist es verseucht und muss aufwendig aufbereitet werden, um es trinkbar zu machen. An Hygiene ist gar nicht zu denken - dafür ist das Wasser viel zu knapp. Der Boden ist staubig und rissig, weshalb die Produktion von Nahrungsmitteln sehr schwer ist.
Die meisten Teile der Welt sind jedoch unbewohnbar. Abgesehen von den nicht existierenden Ressourcen dort besteht ein viel höheres Risiko, mit der mysteriösen Krankheit zu erkranken. Selbst Forscher dürfen dort nicht hin - hier erwischt zu werden, bedeutet einen endlosen Besuch in der Erziehungsanstalt. Unter Medizinern wird die Krankheit „Obscura-Infektion“ genannt, es wurde noch kein Gegenmittel gefunden. Damit zu erkranken, ist tödlich. Das Virus gibt es laut Regierung wegen der Folgen des Geostorms. Durch Erdbeben, Vulkanausbrüche und weitere Katastrophen sind Strahlungen vom Erdinneren aus an die Oberfläche gelangt.
Mehrere Regierungen gibt es seit der Katastrophe nicht mehr. Die Welt - oder das, was davon übrig geblieben ist - vereinte sich zu einem Weltstaat, um das Überleben der Menschheit zu sichern.
Die Regierung präsentiert andauernd neue Fortschritte, verspricht enorme Besserungen und die baldige Wiederbewohnung der tödlichen Regionen. Doch Jahr für Jahr wird es nicht besser - im Gegenteil, es sterben weiter Menschen und die Natur. Rohstoffe und Ressourcen werden immer knapper. Die Stimmung unter dem Volk wird immer schlechter. Verschwörungen werden immer lauter, und auch wenn die Verbreiter oft am nächsten Tag verhaftet sind, brennen sich in manche Köpfe die Verschwörungstheorien ein: Dass die Regierung etwas in den gesperrten Gebieten verheimliche oder dass die Obscura-Krankheit extra eingesetzt werde, um regierungsuntreue Bürger zu bestrafen...
Dass die Regierung etwas verschweigt, ist für viele Menschen offensichtlich. Nicht umsonst würde die Regierung so skrupellos gegen seine eigenen Bürger vorgehen. Doch eben die harten Sanktionen gegen die, die nicht gehorchen und die Angst davor, verschleppt zu werden, bringt die Bevölkerung zum Schweigen. Keiner traut irgendjemandem aus Angst davor, an den Staat ausgeliefert zu werden.
John möchte mehr über seinen Vater erfahren. Wieso musste er sterben? Was verheimlichte er ihm? Doch seine Arbeit hält ihn bisher davon ab. Die Landwirtschaft verlangt viel körperliche Arbeit und er muss seine Frau, die Beatrice heißt und hochschwanger ist, ernähren. Nur sie hält seinen Überlebensinstinkt am Laufen in dieser schier hoffnungslosen Welt. Nach einem weiteren anstrengenden Tag, 13 Stunden voller Arbeit und Mühe, dass nichts schief läuft und die Ernte zunichte gemacht wird, geht er ins Haus zurück und legt sich erschöpft ins Bett. Doch trotz der immensen Anstrengungen des Tages kann er kein Auge zudrücken. Die Ungewissheit bohrt sich in sein Gewissen und die Gier nach Wissen nagt an ihm. Er beschließt, wieder aufzustehen und zu suchen. Winkel für Winkel sucht er das Haus ab, das er von seinem Vater geerbt hat, und findet schlussendlich in einer von dutzenden Kisten auf dem Dachboden des Hauses ein Tagebuch. Ein Tagebuch mit dem Namen seines Vaters.
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